BLOCKCHAIN NEWSROOM - G'schichten vom digitalen Euro


Die Geschichte vom Digitalen Euro


Lesezeit: 3 min

Im letzten Newsletter haben wir über die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten von Blockchain im Finanzsektor und über Kryptowährungen geschrieben und dabei auch das (geplante) Kryptogeld einiger Zentralbanken als Thema angeschnitten. Europa, oder vielmehr den E-Euro, haben wir dabei ausgelassen. Die EZB arbeitet zwar an einer Kryptowährung, sogar in mehreren verschiedenen Arbeitsgruppen, aber Genaues über den Stand der Dinge oder auch nur die geplante Ausgestaltung der Währung ist noch nicht bekannt. Offiziell wird im Moment nur „geforscht“

Das heißt aber nicht, dass es da nicht schon konkretere Ideen zu dem Thema gibt. Christine Lagarde, Präsidentin der europäischen Zentralbank, forderte schon kurz nach ihrem Amtsantritt, das Europa beim Thema E-Geld „voran gehen“ und nicht „hinterher laufen“ sollte. Und auch Politiker diverser Länder und Parteien schieben das Thema eher an, als das sie’s bremsen würden. Olaf Scholz, unser jetziger Finanzminister, ist zum Beispiel ein Befürworter des E-Euros. Ob nun aus Angst vor facebook‘s Libra, oder weil er darin ein weiteres Refinanzierungsinstrument mit Potential sieht, sei mal dahingestellt.

Einer der in den Arbeitsgruppen der EZB sitzt und somit weiß wie da „geforscht“ wird, ist Prof. Thomas Mayer, ex Chefvolkswirt der Deutschen Bank und Mitgründer des Flossbach von Storch Research Institute. Und der hat vor gar nicht allzu langer Zeit mal in einem Interview bekannt gegeben, wie so ein E-Euro rechtlich gestrickt werden könnte: Die EZB kauft die 2 Billionen an Euro-Staatsanleihen die sie als Collateral sowieso hält, den Banken ab. Dazu kauft sie zusätzlich einen Großteil der restlichen Staatsanleihen der Euro-Länder, also nochmal 5-6 Billionen. Aber sie kauft die Papiere nicht mit Euros, sondern mit E-Euros, die sie selber emittiert. Sie hat dann 7-8 Billionen auf der aktiv Seite der Bilanz in Form von Staatsschulden, und stellt diesen wiederrum 7-8 Billionen E-Euros auf der Passiv-Seite gegenüber. In dieser Skizzierung würde jedem E-Euro eine verbriefte Schuld eines Euro-Landes gegenüber stehen. Das würde den E-Euro zu einer relativ stabilen Kryptowährung machen. Und damit das auch so bleibt, soll die Geldmenge dieser E-Euros jährlich nur um einen gewissen Prozentsatz steigen, festgelegt von einem Komitee in der EZB. Zinsen, die die Staatsanleihen abwerfen, sollen gemäß dieser Skizzierung, direkt an die europäischen Bürger ausgeschüttet werden. Quasi als Inflationskompensation.

Auch wenn das nur eine Idee von vielen ist, wie eine Einführung des E-Euros umzusetzen wäre, so klingt sie schon mal ziemlich weit gedacht – bei allen Fragen die da jetzt noch offen sind. Und sie wird viele mächtige Gegner haben, wie z.B. Banken, die aus der lukrativen Staatenfinanzierung auf einmal gänzlich ausgeschlossen wären. Zumindest im Euro-Raum.

(c) Adobe Stock

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Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar.


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