BLOCKCHAIN NEWSROOM - Bitcoin-ETF-Premiere lässt Finanzbranche jubeln
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An der Wall Street wurde vor zwei Wochen Geschichte geschrieben. Denn nach langem Ringen um eine Zulassung durch die US-Aufsichtsbehörde SEC ging am 19. Oktober 2021 an der New York Stock Exchange der erste Bitcoin-ETF an den Start. Der Medienrummel war riesig, genauso wie die Nachfrage der Anleger. Innerhalb weniger als einer Woche konnte der Bitcoin Strategy ETF (BITO) der US-Fondsgesellschaft ProShares bereits mehr als eine Milliarde US-Dollar an verwaltetem Vermögen einsammeln. Ein rekordverdächtiger Zufluss in solch kurzer Zeit. Entsprechend stolz zeigte sich ProShares-Chef Michael L. Sapir: „BITO wird das Erbe der ETFs fortsetzen und den Anlegern einen bequemen und liquiden Zugang zu einer neuen Anlageklasse bieten.“ 1993 sei der erste Aktien-ETF, 2002 der erste Renten-ETF und 2004 der erste Gold-ETF emittiert worden. „Das Jahr 2021“, so Sapir, „wird für die Ausgabe des ersten kryptowährungsgebundenen ETFs in Erinnerung bleiben.“
Startschuss für eine eigene Anlageklasse
Auch wenn mit Sapir ein bisschen das Pathos durchgegangen sein mag. Ein Meilenstein war die Emission allemal. Sie trägt signifikant dazu bei, Kryptos als eigenständige Anlageklasse zu etablieren. ETFs sind transparent, günstig, reguliert und börsengehandelt. Das macht sie zu überaus beliebten Finanzprodukten für Investoren auf der ganzen Welt. Mit der neuen ETF-Klasse der Kryptos haben private und vor allem institutionelle Investoren die Möglichkeit, jenseits von Wallets und dem unregulierten Handel über Krypto-Börsen in den Markt zu investieren. So überrascht es nicht, dass die Finanzindustrie, womit in diesem Fall vor allem die ETF-Gesellschaften gemeint sind, wie gebannt die Emission verfolgt hat. Und Schwupps, schon wenige Tage nach der Premiere erblickte in den USA der zweite Bitcoin-ETF das Licht der Welt. Der Valkyrie Bitcoin Strategy ETF ging am 22. Oktober an der Nasdaq an den Start. Weitere ETF-Anbieter werden vermutlich bald nachziehen.
Die Bitcoin Strategy ETFs von ProShares und Valkyrie investieren übrigens nicht direkt in Bitcoins, zumindest nicht in nennenswertem Umfang, sondern nehmen an dessen Wertentwicklung über standardisierte Termingeschäfte in Gestalt von Future-Kontrakten teil. In Deutschland wird es Bitcoin-ETFs vorerst nicht geben. Den europäischen Bestimmungen zufolge, müssen ETFs in gewissem Umfang diversifiziert sein, um zugelassen zu werden. Sie dürfen also nicht nur ein Asset wie beispielsweise Bitcoin enthalten. Die Alternative sind Krypto-ETNs (Exchange Traded Notes), die seit längerer Zeit auch hierzulande schon erhältlich sind (z. B. von Wisdom Tree, CoinShare oder VanEck). ETNs sind rechtlich gesehen allerdings Schuldverschreibungen des Emittenten und somit kein insolvenzgeschütztes Sondervermögen wie die ETFs.
Die wahre Kraft liegt woanders
Die Entstehung einer neuen Anlageklasse mag ja erfreulich sein. Was im Rummel um den ersten Krypto-ETF allerdings etwas unterzugehen droht, ist die Tatsache, dass einzelne Kryptowährungen wie der Bitcoin den Finanzsektor als Investment-Asset zwar bereichern. Das wahre revolutionäre Potenzial für Banken, Versicherer, Börsen und sonstige Finanzinstitute steckt jedoch in der Blockchain- bzw. Distributed Ledger-Technologie. Denn die Stärken der Blockchain in puncto Transparenz, Datensicherheit und Automatisierung sind gerade für Finanzindustrie von immenser Wichtigkeit. Aktuell leiden bestehende IT-Infrastrukturen vieler Institute unter der Altlast von Legacy-Systemen, manuellen Prozessen und Informationssilos. Darüber hinaus steigen die Kosten durch regulatorische Komplexität und durch die Einbindung verschiedenster Institutionen in einfache Prozessketten (Clearinghäuser, Depotstellen etc.). All das führt zu enormen Aufwänden und Ineffizienzen.
Die Blockchain verspricht Abhilfe. So könnten Smart Contracts bei der Durchführung komplexer Finanztransaktionen wie zum Beispiel von syndizierten Krediten, Schuldscheinemissionen, internationalen Handelsfinanzierungen oder Leasingkontrakten eingesetzt werden. Die entsprechenden Transaktionen ließen sich auf diese Weise schnell, fälschungssicher und kostengünstig abwickeln. Digitale Assets sind ein weiterer Zukunftsmarkt, dem disruptives Potenzial bescheinigt wird. Denn nicht nur klassische Wertpapiere wie Aktien oder Anleihen lassen sich tokenisieren, möglich ist das auch für Immobilien, Kunstwerke, Rechte oder Industrieanlagen. Leider steht hinter diesen Sätzen noch ein doppeltes „Aber“: Zum einen bremst die geringe individuelle Skalierbarkeit bei öffentlichen Blockchains (Proof-of-Work) die Implementierung aus. Zum anderen fehlt in vielen möglichen Einsatzgebieten noch der regulatorische Handlungsrahmen.
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Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar.