AKTIEN NEWSROOM -Silvergate: Kredit gegen Bitcoin
Silvergate
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Für die meisten deutschen Anleger dürfte Silvergate ein noch unbeschriebenes Blatt sein. Die Gesellschaft wurde im Jahr 1988 im südkalifornischen San Diego als traditionelle Kreditbank mit entsprechender Lizenz gegründet. Warum eine regionale US-Bank an dieser Stelle unseres Newsletters auftaucht, hat mit einer schlauen Geschäftsidee zu tun. Denn das Institut hat es verstanden, das Potenzial von Kryptowährungen ganz gezielt für seine Zwecke zu nutzen. Das Herzstück der Gesellschaft bildet zu diesem Zweck das Silvergate Exchange Network (SEN). Hierbei handelt es sich um eine Zahlungsplattform, die es institutionellen Händlern ermöglicht, Transaktionen in Real-Time mit Krypto-Börsen und anderen angeschlossenen Nutzern in US-Dollar durchzuführen – und zwar 24 Stunden am Tag, 7 Tage in der Woche und 365 Tage im Jahr. Auf diese Weise zieht Silvergate in hohem Maß Einlagen an, die über das traditionelle Kreditgeschäft der Bank profitabel verliehen werden können. Profitabel deshalb, weil auf die Einlagen keine Zinsen gezahlt werden.
Zu dem Geschäft von Silvergate gehört es auch, Krypto-Minern auf US-Dollar lautende Kredite anzubieten, die wiederum durch deren Bitcoin- oder Ethereum-Einlagen besichert werden. Die Sparte heißt SEN Leverage. Erst Anfang Oktober wurde zum Beispiel dem Bitcoin-Miner Marathon Digital Holdings (MARA) eine revolvierende Kreditlinie in Höhe von 100 Millionen US-Dollar zur Verfügung gestellt. Was ebenfalls für Schlagzeilen sorgte, war die Ankündigung einer Blockbuster-Partnerschaft mit Facebook. Die Südkalifornier sollen demnach der einzige Emittent des vom Social-Media-Riesen geplanten US-Dollar-Stablecoins werden. Stablecoins sind Kryptowährungen, die an staatliche Währungen oder traditionelle Vermögenswerte gekoppelt sind.
Starke Geschäftsentwicklung
Die jüngsten Quartalszahlen belegen, dass das Modell von Silvergate sehr gut funktioniert. So wurden über das Silvergate Exchange Network von Juli bis September 2021 Zahlungen im Volumen von 162 Milliarden Dollar transferiert. Das ist 3,5-mal so viel, wie im Vorjahreszeitraum. Die Krypto-Einlagen der Kunden erhöhten sich im Berichtsquartal von durchschnittlich 9,9 Milliarden US-Dollar in der Vorjahresperiode auf 11,2 Milliarden US-Dollar. Per Saldo wurde ein Nettogewinn von 23,5 Millionen US-Dollar eingefahren (Q3 2020: 7,1 Millionen Dollar). Alan Lane, Präsident und CEO des Unternehmens, zeigt sich mit der Entwicklung sehr zufrieden: „Silvergate kann über ein weiteres starkes Quartal berichten, das durch ein Rekordquartalsergebnis vor Steuern, ein anhaltendes Plattformwachstum und eine wachsende Bilanz geprägt war.“ Die Ergebnisse sowie die immer vielfältigeren Ertragsströme, so Lane, würden die hohe Bedeutung widerspiegeln, die das Unternehmen mit seinen Angeboten in der noch jungen Branche der digitalen Währungen bereits erreicht hat.
Großbanken könnten nachziehen
Nachdem die der an der New York Stock Exchange gehandelten Aktie im Oktober zunächst nach oben ausgebrochen war, ließ die Dynamik deutlich nach. Ausgerechnet am 19. Oktober brach Silvergate prozentual zweistellig ein. Hier dürfte die an diesem Tag erfolgte Einführung des ersten Bitcoin ETFs) eine Rolle gespielt haben. Denn dadurch hat sich die Legitimität von Kryptowährungen noch einmal erhöht. Für Banken mit weitaus größeren Bilanzsummen könnte das eine starke Motivation sein, in den Markt von Silvergate einzusteigen. Marktbeobachter betonen allerdings, dass die Gesellschaft bei ihren SEN-Aktivitäten über einen Technologievorsprung verfügt, den traditionellen Banken wohl nicht so schnell aufholen dürften.
Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar.