BLOCKCHAIN NEWSROOM - Goliath im Metaversum?


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„One more thing“

Auf seiner gestrigen Entwicklerkonferenz WWDC hat der Techgigant Apple viele Neuheiten vorgestellt: Diverse Updates für Laptops, Chips, Uhren, Handys und „one more thing“. Der Spruch mit dem Steve Jobs bekanntlich die größten Produktneuheiten am Ende seiner Live-Vorträge vorstellte, wurde vom aktuellen Apple CEO Tim Cook erst zum vierten Mal verwendet. Nach der letzten großen Produktkategorie von Apple, der Apple Watch, kommt Anfang nächsten Jahres eine weitere Kategorie in das Produktuniversum: Die Augmented Reality (AR) Brille Apple Vision Pro. 12 Kameras, LiDAR Sensoren, Infrarot Sensoren, 23 Millionen Pixel Pro Auge, 2 Stunden Batterielaufzeit, 5.000 Patente und 3.500 US Dollar in Form einer Taucherbrille. Die Demos der AR-Brille waren von Science-Fiction nicht mehr zu unterscheiden: Dinosaurier im eigenen Wohnzimmer, ein Basketballspiel in 3D live direkt am Spielfeld schauen und eine mit KI erzeugte photorealistische Version des eigenen Gesichts für Videokonferenzen. Selten hat ein Produkt so sehr verdeutlicht, wie fortgeschritten moderne Technologie sein kann – eine recht umwerfende Präsentation, obwohl Tim Cook die Brille nicht mal angezogen hat.

 

Die Erwartungen

Apple plant etwa 900.000 Vision Pros im ersten Jahr zu verkaufen – zum Vergleich, Apple verkauft mehr iPhones in 2 Tagen. Hier legt Apple eine konservative Schätzung an Tag und erfindet sich nicht direkt als Augmented Reality Firma neu. Die Produktstrategie wird von Analysten mit der Apple Watch und dem iPad verglichen, bei denen Apple bei Marktstart nicht völlig festgefahren in den Use Cases war, sondern bewusst Freiraum für die Entwicklung ließ. So war bei Markstart der Apple Watch jeder Use Case möglich: Fitness, Produktivität, Entertainment oder Health. Mit der Zeit wurden Features ausgebaut, um Nutzerfeedback zu integrieren. So ist die Apple Watch nun zum unangefochtenen Smart Watch Marktführer geworden. Für das iPad gab es Anfangs noch keine wirklichen Apps, nur hochskalierte iPhone Apps. Nach und nach wurden mehr spezielle Apps für iPads entwickelt. Nun beherrscht Apple auch den Tablet Markt.

Für das Headset beabsichtigt Apple nun Entwickler vor Marktstart an Bord zu holen, um hier frühzeitig Apps für das Headset entwickeln zu lassen. Bei Verkaufsprognosen von 900.000 Stück im ersten Jahr dürften nur wenige Entwickler Großteile ihrer Kapazitäten hierfür zur Verfügung stellen. Spannend wird das Segment für Entwickler bei Start eines deutlich günstigeren „Massenheadsets“ über das neue Apps einen größeren Absatz finden können. Glücklicherweise haben andere Unternehmen bereits einen Markt für AR Apps geschaffen, die nun von Entwicklern auf Apples neue Plattform übertragen werden können.

Das erste Jahr des neuen Produkts wird daher keine gigantischen Auswirkungen auf den Umsatz des Konzerns haben. Entsprechend hat der Kurs der Apple Aktie sich nicht groß verändert. Spannender ist hierbei zu beobachten, ob sich Entwickler für Apps finden und Apple, wie bei vergangenen Produkten, einen Markt schafft, den es davor nicht gab – vor Einführung der Apple Watch war den meisten Menschen die Uhrzeit auch schon bewusst.

 

Der Wettbewerb

Apple ist dafür bekannt nie der Erste in einer Produktkategorie zu sein, sondern nur der Teuerste. Auch jetzt platziert Apple sein Headset preislich weit über der Konkurrenz und schafft damit eine neue und nicht ganz vergleichbare Produktkategorie. Am ehesten dürfte der Meta Konzern mit seiner Brille Quest Pro als Wettbewerber gesehen werden, die für weniger als den halben Preis bereits verkauft wird. Bisher hat Meta noch keinen reißenden Absatz für sein Pro Headset gefunden und kürzlich gar den Preis gesenkt. Am Massenmarkt hat Meta definitiv einen Vorsprung mit bereits über 20 Millionen verkauften Quest Headsets und einer kürzlich angekündigten neuen Iteration ihres Massenheadsets Quest 3, das grundsätzlich viele der Funktionen des Apple Headsets abdeckt – für etwa ein Siebtel des Preises. Gegebenenfalls hat Apple mit seiner Ankündigung Werbung für den gesamten AR-Bereich gemacht und beflügelt nun den Absatz bei den weit günstigeren Konkurrenten. Interessant zu beobachten wird, ob User eines Meta Headsets zukünftig mit Usern eines Apple Headsets interagieren können oder ob die Tech Giganten ihre Systeme, wie üblich, komplett voneinander abschotten.

Das Metaversum

Der von Meta als digitale Parallelwelt geprägte Begriff Metaverse, tauchte in der Apple Präsentation gar nicht auf. Ein Metaversum ist schließlich eine offene Welt, bei der keine zentrale Entität über die Entwicklung des gesamten Ökosystems bestimmt – das komplette Gegenteil der Apple Identität. Sollte es aber doch zu einem echten Metaversum kommen, bei dem auch Apple mitspielt, ist eines ganz selbstverständlich: Die Blockchain Technologie wird eine sehr relevante Rolle spielen.

(c) Apple Inc

Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar.



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