Meinung A.D. – Verp(r)asserangst


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Bei technologischen Innovationen stellen sich Konzerne immer eine grundsätzliche Frage: Make or Buy. Soll ich aufwendig Personal einkaufen, ohne konkrete Vorstellung entwickeln, vielleicht einen Erfolg erzielen, meinen Aufsichtsrat mit Buzzwords nerven oder nichts machen, abwarten und schließlich einen Marktführer einfach kaufen. In vielen Nischen beweist es sich für Großkonzerne die Finanzkraft zu nutzen, um Startups zu kaufen, die sich mit moderner Technologie auseinandersetzen und die ersten Probleme beseitigt haben. Microsoft hat Anfang des Jahres einfach beschlossen 10 Mrd. USD in OpenAI zu stecken, um hier nicht den Zug zu verpassen.

Bei der Blockchain Technologie beweist sich nun die FOMO (fear of missing out): Die Angst etwas zu verpassen. Kürzlich verkündete die Helaba ihren Einstieg bei Cashlink, einem auf Tokenisierung spezialisiertes deutsches Startup, das bereits erste Erfolge bei der Emission von digitalen Wertpapieren verkünden konnte. Die Angst der Konzerne zu spät auf Einkaufstour zu gehen ist klar ersichtlich – niemand will vor dem Feiertag nach Ladenschluss an der Tankstelle seinen Wocheneinkauf machen müssen. Ebendieses Verhalten beweist auch der weltgrößte Vermögensverwalter BlackRock mit der Intention einen Bitcoin ETF in den USA aufzulegen: Für das Konzernergebnis wird dieser eine ETF wahrscheinlich in den ersten Quartalen unbedeutend sein, aber sich der Blockchain Technologie und den damit verbundenen Möglichkeiten zu verwehren, wäre fatal und würde Langfristinvestoren, Aufsichtsrat und Aktionären abgestraft werden. Die australische Börse hat erst kürzlich die Entwicklung einer Blockchain-Börse eingestellt. Grund war schlechtes Projektmanagement und ein zu früher Markteintritt. Die IT-Infrastruktur ist mittlerweile schon wieder veraltet. Ergebnis: Ausgaben in Höhe von 170 Mio. USD verprasst.

Genau daran dachte ich auch als Unternehmer bei der Auflage des ART Transformer Equities: Will ich bei der Entwicklung einer Technologie, die das Potential birgt, die Finanzindustrie und gegebenenfalls auch andere Branchen zu revolutionieren, einfach nur zusehen oder möchte ich mich damit auseinandersetzen. Die Entscheidung fiel klar auf Letzteres.

Inzwischen liegt sogar ein Gesetzesentwurf für den digitalen Euro vor – selbst die EZB möchte nichts verp(r)assen.

 

 

 


Axel Daffner


„A.D.“ steht für zwei Dinge: Zum einen für Axel Daffner als Autor, zum anderen für „außer Dienst“, denn es ist meine private Meinung, die nicht notwendigerweise kongruent sein muss, mit der Meinung, die ich als einer der Geschäftsführer von Pegasos Capital vertrete. Dieser Artikel stellt Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar.


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