Meinung A.D. – WLAN oder Wackeldackel
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Meinung AD: WLAN oder Wackeldackel
Letztens hatte ich wieder die große Freude einen Werkstattwagen zu erhalten, der erheblich besser ist, als mein übliches Auto das zum Service ging. Dieses Mal übertraf sich die Vertragswerkstatt und gab mir einen vollausgestatteten BMW iX, einen vollelektrischen Geländewagen mit 520 PS, 2,5 Tonnen Leergewicht und mehr Technik als ich in meinem ganzen Haus habe. BMW hat mit den Foundries, den Herstellern von Halbleitern, sogar direkte Lieferverträge abgeschlossen, damit die von NVIDIA, AMD oder anderen entworfenen Chips garantiert für BMW produziert werden.
Dieses Auto ist kein gewöhnliches Fahrzeug. Es ist ein Meisterwerk modernster Ingenieurskunst, ausgestattet mit Sensoren, die die Umgebung scannen und eigenständig Entscheidungen treffen können. Von automatischem Einparken bis hin zur autonomen Navigation auf der Autobahn – das Auto fühlt sich an wie ein faszinierendes Stück Zukunft, das bereits in unserer Gegenwart existiert. Beim Einsteigen verbindet sich mein Handy automatisch über WLAN mit dem Auto und wirkt wie eine Fernbedienung. Selbst beim starken Schneefall konnte das Auto mittels einem Motor pro Achse ganz genau den Schlupf regeln und mich ohne jede Unsicherheit an mein Ziel bringen. Bei den Temperaturen hielt die Batterie zwar etwas kürzer, aber das war mir bei dem Fahrgefühl total egal.
Doch da ist etwas, das mich immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt – und das ist der Oldtimer meines Vaters. Ein 1960er Modell ohne jegliche selbstfahrende Funktionen. Dieser Wagen ist ein Relikt vergangener Zeiten, in dem man noch alles manuell machen musste. Keine Servolenkung, keine automatischen Bremsen, keine Sensoren – nur ein Wackeldackel auf der Hutablage. Alles ist von Hand zu erledigen.
Während das selbstfahrende Auto ein Symbol für die grenzenlose Zukunft der Technologie ist, erinnert mich der Oldtimer daran, wie die Menschen vor nicht allzu langer Zeit auf pure Mechanik angewiesen waren. Es erfordert physische Anstrengung, das Lenkrad zu drehen, die Kupplung zu treten und den Wagen zum Stillstand zu bringen. Doch es hat auch seinen eigenen Charme – das Gefühl, wirklich eins zu werden mit dem Auto und die Verbindung zur Straße auf eine ganz andere Art und Weise zu spüren. Auf der anderen Seite kann ich ohne Freisprechanlage, Navi und einen Abstandshalter nicht mehr wirklich im Alltag Autofahren. Mit dem Oldtimer möchte ich alleine aus Sicherheitsgründen auf keinen Fall auf der Autobahn fahren – die Knautschzone sind schließlich meine Knie.
Diese beiden Extreme - der High-Tech-Wagen mit all seinen autonomen Funktionen und der klassische Oldtimer meines Vaters - haben meinen Blick auf die Automobilwelt verändert. Sie zeigen mir, wie schnell sich die Technologie entwickelt und gleichzeitig auch, wie wertvoll die Geschichte und die Mechanik vergangener Zeiten sind. Es ist ein ständiger Balanceakt zwischen der Begeisterung für die Zukunft und der Wertschätzung für die Vergangenheit, den mir diese beiden Autos immer wieder aufs Neue verdeutlichen. Aber bei der Entwicklung darf man eines nicht vergessen: Die Konsumenten müssen auch mit dieser technologischen Entwicklung auch zurechtkommen. Eine Indikation wie sicher sich die Entwickler der Fahrzeuge sind, findet sich in den Betriebsanleitungen der beiden Autos:
Bei Oldtimern wird erklärt wie man die Ventile am Ottomotor für den entsprechenden Kraftstoff einstellt und beim BMW iX wird man in der Anleitung davor gewarnt seine Hände aus der Tür zu entfernen bevor man sie schließt, da hier ein Verletzungsrisiko besteht. Aber eines ist sicher: So sehr Konsumenten über neue Gimmiks im Auto schimpfen mögen, will sie auch keiner mehr missen. Ohne Servolenkung, Klimaautomatik, Navi und Bremskraftverstärker möchte niemand mehr im Alltag fahren. Bei dem Rekordschnee in München bin ich froh über die aktuelle Technologie im BMW – also doch lieber WLAN als ein Wackeldackel.
Axel Daffner
„A.D.“ steht für zwei Dinge: Zum einen für Axel Daffner als Autor, zum anderen für „außer Dienst“, denn es ist meine private Meinung, die nicht notwendigerweise kongruent sein muss, mit der Meinung, die ich als einer der Geschäftsführer von Pegasos Capital vertrete. Dieser Artikel stellt Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar.