Meinung A.D. – Märchenhafte Tech-Giganten
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Wer sich noch an die Eurokrise erinnert, hat bestimmt noch die Milliardensummen im Kopf, mit denen damals Staatshaushalte wie Griechenland gerettet wurden. Das erste griechische Rettungspaket im Jahr 2010 hatte ein Volumen von 107 Milliarden EUR, das mühsam von diversen Kapitalgebern zusammengekratzt wurde. Die Renten und Infrastruktur der griechischen Bevölkerung wurden hiermit finanziert – das Leben von 11 Millionen Menschen hing an diesen Rettungspaketen. Mit einer ähnlichen Summe Geld, mit 110 Milliarden USD, beschloss das US Unternehmen Apple kürzlich, nicht einen Staat zu retten, sondern die eigenen Aktien zurückzukaufen. Wenn Tech-Unternehmen plötzlich mit ähnlichen Summen hantieren, wie ein Staatenverbund, ist definitiv ein Punkt erreicht, an dem man hellhörig werden sollte.
Als Technologiefondsmanager beobachte ich täglich, wie wenige große Konzerne den globalen Technologiemarkt dominieren. Namen wie Microsoft, Google, Amazon und Meta sind Synonyme für Innovation und Fortschritt, aber auch für eine beunruhigende Marktkonzentration. Diese Giganten verfügen über beispiellose finanzielle und technologische Ressourcen, die es ihnen ermöglichen, wie am Fließband neue Technologien zu erwerben oder zu entwickeln, was die Wettbewerbslandschaft stark beeinflusst.
Diese Unternehmen haben Plattformen und Ökosysteme geschaffen, die so tief in die Strukturen unserer Gesellschaft und Wirtschaft eingewoben sind, dass sie nahezu unersetzlich wurden. Ihre Fähigkeit, Wettbewerber zu übernehmen oder aus dem Markt zu drängen, hat ihnen eine fast monopolartige Stellung in verschiedenen Sektoren verschafft. Das Ergebnis ist eine Konzentration von Macht, die die Innovation hemmt und kleinere Akteure benachteiligen kann.
Als Investor begrüße ich zwar die Stabilität und die beeindruckenden Renditen, die diese Unternehmen unserem Fonds ART Transformer Equtities bringen, doch als Beobachter der Entwicklungen im Tech-Sektor bin ich auch besorgt über die langfristigen Auswirkungen dieser Dominanz. Die Monopolisierung von Marktanteilen durch diese Konzerne stellt eine Bedrohung für die Vielfalt und Gesundheit des technologischen Ökosystems dar.
Regulierungsbehörden auf der ganzen Welt beginnen zu reagieren, da Bedenken hinsichtlich Datenschutz, Wettbewerbsverzerrung und Einfluss auf die Demokratie wachsen. Diese Entwicklungen könnten notwendige Veränderungen herbeiführen und möglicherweise die Landschaft für neue Akteure öffnen. Problematisch ist hierbei nur, dass Milliardenstrafen für die Techkonzerne bedeutungslos geworden sind und sich als zahnlose Tiger entpuppen.
Investoren sollten diese Dynamik genau beobachten. Eine zunehmende Regulierung könnte sowohl Risiken als auch Chancen bergen, insbesondere für diejenigen, die bereit sind, in aufstrebende Technologien und Unternehmen zu investieren, die das Potenzial haben, die nächste Welle der Innovation zu führen. Es bleibt nur eine Frage der Zeit, bis ein Tech-Vorstand irgendwann mit den Worten „Heute investier ich, morgen dominier ich, übermorgen kauf ich mir die Welt! Ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich Tech-Gigant heiß…“ zitiert wird.
Axel Daffner
„A.D.“ steht für zwei Dinge: Zum einen für Axel Daffner als Autor, zum anderen für „außer Dienst“, denn es ist meine private Meinung, die nicht notwendigerweise kongruent sein muss, mit der Meinung, die ich als einer der Geschäftsführer von Pegasos Capital vertrete. Dieser Artikel stellt Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar.