Meinung A.D. – Power, Power, Power
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In den letzten Jahren hat sich der weltweite Energiebedarf durch den Bau von Datenzentren und die Zunahme digitaler Anwendungen wie Künstliche Intelligenz (KI) massiv gesteigert. Datenzentren, die das Rückgrat für die Digitalisierung und das Internet bilden, verbrauchen enorme Mengen an Strom. Dieser Energiebedarf wird durch die steigende Nachfrage nach KI-Anwendungen, Cloud-Diensten und Big Data zusätzlich angeheizt, was Unternehmen dazu zwingt, auf leistungsfähige Rechenzentren zu setzen.
Ein deutlicher Wandel ist dabei zu beobachten: Noch vor wenigen Jahren gab es breite Kritik am hohen Energieverbrauch von Bitcoin und anderen Kryptowährungen, deren “Mining” als ineffizient und umweltschädlich galt. Heute jedoch scheint der Fokus auf Datenzentren für KI die Kritik gegenüber Kryptowährungen in den Hintergrund gedrängt zu haben, da auch für KI-gestützte Anwendungen und Serverfarmen ein massiver Energiebedarf notwendig ist. Für viele Unternehmen, die KI und datenintensive Anwendungen betreiben, stellt sich die Frage, wie dieser Energiebedarf nachhaltig gedeckt werden kann.
Atomkraft als neue Lösung für den Energiebedarf der Datenzentren
Um den hohen Stromverbrauch dieser modernen Datenzentren zu decken, erwägen viele Länder und Unternehmen, Atomkraftwerke als kohlenstoffarme Energiequelle zu reaktivieren oder neue Reaktoren zu bauen. Atomenergie bietet eine stabile und kontinuierliche Stromversorgung, die insbesondere für große Rechenzentren, die rund um die Uhr betrieben werden, von Vorteil ist. Im Gegensatz zu erneuerbaren Energien wie Wind- und Solarenergie, die wetterabhängig sind, kann Atomkraft eine konstante Energiequelle bieten und so helfen, den steigenden Energiebedarf in Zeiten der Digitalisierung zu decken.
In den USA und Europa gibt es bereits Initiativen, um alte Atomkraftwerke wieder in Betrieb zu nehmen oder neue Technologien wie kleine modulare Reaktoren (SMRs) zu entwickeln, die besonders für die Stromversorgung abgelegener Datenzentren geeignet sind. Länder wie Frankreich, das historisch stark auf Atomkraft setzt, sehen dies als Möglichkeit, die eigene Energieunabhängigkeit zu stärken und gleichzeitig den wachsenden Strombedarf aus umweltfreundlichen Quellen zu decken. Auch in den USA wächst die Diskussion um die Nutzung der Atomenergie als Teil der Energiestrategie, insbesondere im Hinblick auf die Anforderungen der digitalen Infrastruktur und deren CO2-Bilanz.
Der Energiebedarf von KI und Datenzentren im Vergleich zu Kryptowährungen
In der Vergangenheit wurde der Stromverbrauch von Bitcoin und anderen Kryptowährungen als übermäßig hoch und umweltschädlich kritisiert. Das Mining von Kryptowährungen ist aufgrund der für die Transaktionsverarbeitung notwendigen Rechenleistung energieintensiv. Doch im Vergleich zu modernen KI-Anwendungen erscheint der Energieverbrauch von Kryptowährungen mittlerweile oft als gering. Künstliche Intelligenz erfordert umfangreiche Datenmengen und die Verfügbarkeit von Hochleistungsrechnern, die oft in gigantischen Serverfarmen organisiert sind und einen dauerhaften Energiebedarf haben, der den von Kryptowährungen teils übersteigt.
Besonders das Training und der Betrieb von Modellen für maschinelles Lernen und neuronale Netzwerke erfordern enorme Rechenressourcen. So verbrauchen KI-Trainingsprozesse oft mehrere Megawattstunden Strom – Energie, die umweltfreundlich bereitgestellt werden muss, um die CO2-Bilanzen der digitalen Transformation zu verbessern. Der Boom von KI-Technologien und der Bau neuer Rechenzentren sorgen somit für ein Umdenken in der Energiepolitik.
Umdenken und Herausforderungen
Das globale Umdenken in der Energiepolitik wird zunehmend durch die Balance zwischen Nachhaltigkeit und dem Bedarf an digitalen Infrastrukturen geprägt. Während Atomkraft eine Lösung für den stabilen Energiebedarf bieten kann, bleibt sie politisch und gesellschaftlich umstritten. Die potenziellen Risiken und die Entsorgungsproblematik von Atommüll sind ungelöst, und so ist Atomenergie keineswegs ein Allheilmittel für die Energiesorgen der digitalen Welt. Doch mit dem zunehmenden Druck, CO2-Emissionen zu reduzieren, und der Notwendigkeit einer zuverlässigen Stromversorgung könnte die Atomkraft eine Renaissance erleben, um den Energiebedarf der KI- und Cloud-Rechenzentren zu decken.
Für die Zukunft bleibt abzuwarten, wie sich der Energiemix entwickeln wird. Die Integration von erneuerbaren Energien mit Atomkraft, möglicherweise unterstützt durch innovative Energiespeichersysteme, könnte ein Modell sein, um die Nachfrage nachhaltig zu decken. Die Digitalisierung bringt Herausforderungen für die Energiewirtschaft mit sich, aber auch die Chance für eine zukunftsweisende und umweltfreundliche Energiepolitik.
Axel Daffner
„A.D.“ steht für zwei Dinge: Zum einen für Axel Daffner als Autor, zum anderen für „außer Dienst“, denn es ist meine private Meinung, die nicht notwendigerweise kongruent sein muss, mit der Meinung, die ich als einer der Geschäftsführer von Pegasos Capital vertrete. Dieser Artikel stellt Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar.