BLOCKCHAIN NEWSROOM - ASICs, Exchanges, Hashrates


ASICs, Exchanges, Hashrates


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„Das Kernproblem konventioneller Währungen ist das Ausmaß an Vertrauen, das nötig ist, damit sie funktionieren. Der Zentralbank muss vertraut werden, dass sie die Währung nicht entwertet, doch die Geschichte des Fiatgeldes ist voll von Verrat an diesem Vertrauen. Banken muss vertraut werden, dass sie unser Geld aufbewahren und es elektronisch transferieren, doch sie verleihen es in Wellen von Kreditblasen mit einem kleinen Bruchteil an Deckung. Wir müssen den Banken unsere Privatsphäre anvertrauen, vertrauen, dass sie Identitätsdieben nicht die Möglichkeit geben, unsere Konten leerzuräumen …
… Vor dem Aufkommen von starker Verschlüsselung mussten die User sich auf Passwortschutz für ihre Daten verlassen und dem Systemadministrator vertrauen, dass dieser ihre Informationen vertraulich hielt. Diese Privatsphäre konnte jederzeit aufgehoben werden, wenn der Administrator zu dem Schluss kam, dass sie weniger wog als andere Belange, oder auf Anweisung seiner Vorgesetzten. Dann aber wurde starke Verschlüsselung für die Masse der Nutzer verfügbar, und Vertrauen war nicht länger nötig. Daten konnten auf eine Weise gesichert werden, die einen Zugriff durch Dritte – egal aus welchem Grund, egal mit wie guten Entschuldigungen, egal was sonst – unmöglich machte.

Es ist Zeit, dass wir dasselbe mit Geld machen. Mit einer elektronischen Währung, die auf einem kryptografischen Beweis beruht und kein Vertrauen in Mittelsmänner benötigt, ist Geld sicher und kann mühelos transferiert werden.“

Schrieb es – und erfand den Bitcoin. Das war 2009 und der Autor dieser Zeilen bezeichnete sich selbst als Satoshi Nakamoto.

Der Bitcoin wurde also unter anderem aufgrund von mangelndem Vertrauen in Notenbanken, Banken und ihre Helfershelfer entwickelt. Der Höchstkurs des Bitcoins lag 2010 bei 0,31 Dollar pro Bitcoin. Wenn der Wechselkurs des Bitcoins zum Dollar tatsächlich eine Aussage über das Vertrauen trifft, dann hat sich selbiges mehr als 10.000-mal vergrößert. Oder das Vertrauen in den US-Dollar (und die meisten anderen Währungen) wäre um das 10.000-Fache kleiner als noch vor gut zehn Jahren. Kein zu großes Wunder in einer Zeit, in der viele Notenbanken die Druckerpressen auf Hochtouren laufen lassen, auch um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronapandemie zu kompensieren.

Aber zurück zu den Anfängen. Besagter Satoshi Nakamoto, dessen Identität bis heute nicht zweifelsfrei geklärt werden konnte, entwickelte mit seiner Blockchain einerseits ein dezentrales Buchungssystem, andererseits eine Währung für ebendieses Buchungssystem. Und er dachte sehr, sehr weit. Es gibt eine vorher definierte Obergrenze von 21 Millionen Bitcoins, die nicht überschritten werden kann. Somit ist automatisch für eine Knappheit gesorgt. Dazu wird mit steigender Anzahl an Coins die Rechenleistung, die benötigt wird, um einen Bitcoin zu schürfen, immer höher. Konnte man in den Anfängen als Privatperson noch mit dem Prozessor eines normalen PCs mitmachen (CPU Mining), brauchte es bald darauf spezielle Grafikkarten, weil nur diese die notwendige Rechenleistung aufbrachten (GPU Mining). Heutzutage werden fast nur noch ASICs betrieben, spezielle Rechner, die darauf spezialisiert sind, Bitcoins zu schürfen, und die in großen Farmen betrieben werden, an Orten, wo der Strom günstig und die Kühlung der Geräte einfach ist.

Gemessen wird die (Rechen-)Leistung in einer Hash-Rate. Diese lag für die gesamte Bitcoin-Blockchain Mitte 2013 noch bei etwa 150.000.000 Hashes pro Sekunde, oder anders ausgedrückt bei 150 MH/s (Millionen). Mittlerweile sind wir bei 150.000.000.000.000.000.000.000 Hashes pro Sekunde oder auch 150 ZH/s (Trilliarden).  

Die steigende Rechenleistung, die erforderlich ist, und die zunehmende Verbreitung des Bitcoins unter Anlegern und sonstigen Nutzern führt zu einer Verlangsamung des Netzes, einer sich verschlechternden Energiebilanz auf der einen Seite, aber eben auch zu einer Erhöhung des Wertes des Bitcoins. Schaut man sich heute alle Transaktionen an, die im Bitcoin gemacht werden, so wird man feststellen, dass der Großteil der Transaktionen schon heute gar nicht mehr auf der Blockchain stattfindet, sondern an Börsen, sogenannten centralized marketplaces. Die größte dieser Börsen ist derzeit Binance, aber auch Kraken, Coinbase, Bitfinex und viele andere handeln heute schon ein Vielfaches dessen, was es an Bitcoins eigentlich gibt. Das ist vergleichbar mit Aktien auf Xetra. Dort werden von einer Aktie pro Woche mehr Stücke gehandelt, als jemals emittiert wurden.

An der Börse haben die Besitzer SUB-Wallets, also „Unter-Depots“, in denen die Coins gebucht werden. Doch die eigentlichen Coins von allen Nutzern bleiben in einem Pool-Account der Börse liegen, bis der Besitzer sie wieder wegtransferieren möchte. Dadurch finden alle Trades an diesen Börsen nur auf einem Server statt und werden nicht auf der Blockchain gebucht. Das ist auch gut so, denn die Anzahl der Trades, die schon heutzutage in Bitcoin und Co. stattfinden, wären auf der Blockchain gar nicht mehr darzustellen. Eine Transaktion würde Tage dauern, oder die Blockchain würde ab einem bestimmten Grad einfach kollabieren.

Diese Marktplätze können also nicht nur für Liquidität und Schnelligkeit – und somit für eine faire Preisbildung – sorgen, sondern sie entlasten auch die Umwelt ganz erheblich. Dadurch dass alle diese Transaktionen nur auf einem einzigen Server laufen, ist für eine Transaktion nur ein millionstel Bruchteil der Energie erforderlich, die die gleiche Transaktion auf der Blockchain benötigen würde. Eigentlich das Beste, was passieren kann: Die Wünsche des Marktes nach Geschwindigkeit und niedrigen Gebühren (Effizienz) sorgen dafür, dass sich Modelle für Transaktionen außerhalb der Blockchain entwickeln und somit auch die Umwelt nachhaltig entlastet wird.

(c) Adobe Stock

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Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar.



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