MEINUNG A.D. - Was bekommt Bitcoin noch auf die Kette?
222 KW/h. Das ist der beste Wert, den verschiedene Studien zum Stromverbrauch einer einzigen Transaktion im Bitcoin errechnet haben. Andere Studien kommen auf bis zu 500 KW/h und sogar mehr. Aber lassen wir das Mining raus und bleiben bei einer normalen Transaktion, also einer einfachen Überweisung – und die braucht mindestens 222 KW/h. In Deutschland werden im Schnitt 485 Gramm CO2 in die Luft geblasen, um eine Kilowattstunde Strom zu produzieren. In China werden für eine Kilowattstunde Strom durchschnittlich mehr als 600 Gramm CO2 emittiert, weil es dort mehr Kohlekraftwerke gibt – und die blasen bekanntlich mehr CO2 in die Luft. Aber bleiben wir in Deutschland und im besten Szenario: Eine Bitcoin-Transaktion, die nur auf deutschen Servern berechnet und bestätigt werden würde, produziert also knapp 108 Kilogramm CO2 (222 KW/h × 485 Gramm CO2 / 1000).
Nur mal zum Vergleich: Ein neuer 90 PS starker Golf produziert 104 Gramm CO2 auf 1 Kilometer, sprich etwa 10 Kilogramm auf 100 Kilometer. Wenn man jetzt die 108 Kilogramm CO2, die eine EINZIGE Bitcoin-Überweisung produziert (im besten Fall!) ins Verhältnis zu einem neuen VW Golf setzt, so stellt man fest, dass der Golf auf 1000 (in Worten: TAUSEND) Kilometer weniger CO2 produziert, als es der Bitcoin bei einer einzigen Überweisung tut.
Ich würde mich selbst jetzt nicht als den größten Umweltaktivisten einstufen, aber man muss auch kein glühender Greta-Verehrer sein, um zu begreifen, dass der liebe Bitcoin ein ziemlicher Dreckspatz ist. Oder lassen Sie es mich so sagen: Es gibt beim Energieverbrauch der Kryptowährungen erhebliches Optimierungspotenzial. Sehr erhebliches. Gigantisches!
Natürlich ist der Bitcoin quasi die Leitwährung beim Kryptogeld. An ihm wird sich immer alles messen. Einige Kryptobörsen, darunter auch der größte Marktplatz namens Binance, rechnen in der Kontoübersicht sogar alle anderen Währungen in Bitcoin um und nicht etwa in Dollar oder Euro. In anderen Worten: Die Gesamtangabe des aktuellen Vermögenswertes über alle Währungen hinweg wird dort in Bitcoin gemacht.
Das soll aber alles nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass der Bitcoin in die Jahre gekommen ist. Er ist nicht nur alt, sondern auch langsam und wie gesagt grob umweltverschmutzend. Wirklich grün sind die anderen Kryptowährungen zwar auch nicht, aber sie sind lange nicht so dreckig wie der Bitcoin. Und sie werden weiterentwickelt. An Ether zum Beispiel, die Kryptowährung mit der zweitgrößten Marktkapitalisierung nach Bitcoin, wird mit Hochdruck gearbeitet. Hauptziele der Entwickler bei den Arbeiten an der Ethereum-Blockchain, auf der Ether läuft: Energieverbrauch und Gebühren senken sowie Geschwindigkeit erhöhen. Dabei ist diese Blockchain schon jetzt deutlich effizienter als die Bitcoin-Chain. Auf lange Sicht könnte eine Währung auf der Ethereum-Chain bei den Bezahlvorgängen den Bitcoin ablösen. Nicht nur weil sie schneller und sauberer ist, sondern weil auf der gleichen Chain auch andere digitale Werte wie Tokens mit Smart Contracts übertragen und ausgeführt werden können. Die zugrunde liegende Blockchain-Technologie ist neuer, vielseitiger und wird stetig verbessert. Das alles kann die Bitcoin-Chain gar nicht bieten. Entsprechend mehren sich die Stimmen, das Ether der eigentliche Star mit großem Potenzial unter den Coins ist.
Dem Bitcoin können solche Stimmen derzeit aber nichts anhaben. Es gibt schließlich auch viele Stimmen, die behaupten, ein Tesla Model S sei nicht nur grüner, sondern auch technisch das bessere Auto im Vergleich zur S-Klasse von Mercedes. Trotzdem werden hierzulande mehr S-Klassen als Teslas verkauft. Der große Wagen vom Daimler ist nach wie vor eine Bank. Und genau das ist es auch, was der Bitcoin ist: ein Wertspeicher. Ein sehr volatiler und schmutziger Wertspeicher zwar, aber ein Wertspeicher. Hört sich schließlich besser an als „Spekulationsobjekt“.
Ihr Axel Daffner
Axel Daffner
„A.D.“ steht für zwei Dinge: Zum einen für Axel Daffner als Autor, zum anderen für „außer Dienst“, denn es ist meine private Meinung, die nicht notwendigerweise kongruent sein muss, mit der Meinung, die ich als einer der Geschäftsführer von Pegasos Capital vertrete. Dieser Artikel stellt Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar.