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Banken und Blockchain
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Die Süddeutsche Zeitung titelte Mitte November: „Grabesruhe in der Filiale“. Der dazugehörige Artikel beschäftigte sich mit dem Filialsterben der Banken in der Bundesrepublik. Und ebendieser ist dramatisch: Gab es vor 20 Jahren noch knapp 60.000 Bankfilialen in Deutschland, waren es Ende 2019 – also noch vor Corona – derer gerade mal 26.667. Dann kam Corona und viele der Kunden, die bisher noch ihre Bankgeschäfte vor Ort in der Filiale erledigten, stellten um auf Onlinebanking. Ergebnis: Alle großen Banken reduzierten die Anzahl ihrer Filialen weiter und/oder haben Pläne, dies zu tun. Bei Commerzbank und Deutsche Bank zum Beispiel fällt bis Ende 2021 jede fünfte Filiale weg. Experten gehen davon aus, dass bis 2025 insgesamt etwa weitere 10.000 Filialen geschlossen werden.
Doch es gibt auch gute Neuigkeiten. Mit einigen wenigen Ausnahmen verlief das Geschäft der Privat- und Geschäftskundenbanken im Jahr 2020 relativ solide. Trotz Niedrigzinsen und dem coronabedingten Ausbleiben der Kunden in den Filialen meldete das ein oder andere Institut sogar starke bis sehr starke Ertragszahlen. Die Kreditvergabe im Immobilienbereich sowie das Vorsorge- und Anlagegeschäft mit Aktien und Fonds boomten. Insbesondere jene Banken, die hier schon vor Corona ein gutes Onlineangebot hatten, konnten davon in diesem Jahr erheblich profitieren.
Aber es offenbart sich auch Folgendes: Einfach das klassische Bankgeschäft benutzerfreundlich online anzubieten, ist nur die Pflicht, nicht die Kür. Es rettet das Institut vor dem sicheren Niedergang, macht es aber noch lange nicht fit für die Zukunft. Viele Banken hatten es sich leider auch auf dem Status quo ein wenig gemütlich gemacht. Zwar bietet mittlerweile nahezu jede Bank auch eine Webfiliale, in der rudimentäre Bankgeschäfte ohne Weiteres möglich sind, doch eine vollumfängliche Digitalisierung vieler Angebote und vor allem Prozesse blieb aus. Auch, aber nicht nur, vor dem Hintergrund einer verschleppten Digitalisierung fehlt mancherorts nämlich noch ein Konzept, wofür die Bank eigentlich steht. Die Commerzbank muss sich zum Beispiel regelmäßig von Analysten die Frage gefallen lassen, was für eine Bank sie denn eigentlich sei – was ihren USP (unique selling point) denn eigentlich ausmache. Das Management hatte darauf in den letzten fünf Jahren ganze fünf verschiedene Antworten. So wird’s nicht klappen, denn wenn man nicht weiß, wo man steht, weiß man auch nicht, wo man (digital oder eben nicht) hin soll.
Andere Banken sind da schon einen deutlichen Schritt weiter. Hauck & Aufhäuser Privatbankiers AG aus Frankfurt beispielsweise – nebenbei bemerkt die Depotbank des ART Transformer Equities – hat in diesem Jahr die Hauck & Aufhäuser Innovative Capital (HAIC) gegründet, eine Investmentgesellschaft für digitale Assets. Die dafür notwendige BaFin-Lizenz als registrierte Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) hat die Bank am 30. September erhalten.
Die Idee dahinter: Das Servicespektrum des Geschäftsbereichs Asset Servicing soll um die zukunftsorientierte Komponente „digitale Vermögenswerte“ erweitert werden und damit sollen institutionelle Kunden auf der Fondsseite die Möglichkeit erhalten, Tokens und Coins in ihre Portfolios mit aufzunehmen.
„Prognosen gehen von einer steigenden Nachfrage an Fondsprodukten für digitale Assets aus und auch auf Kundenseite spüren wir ein starkes Interesse. Deshalb ist es uns wichtig, hier frühzeitig die richtigen Weichen zu stellen und unseren Kunden einen Zugang zu dieser innovativen Anlageklasse zu ermöglichen“, erläuterte dazu Michael Bentlage, Vorstandsvorsitzender von Hauck & Aufhäuser Privatbankiers.
Dass man es mit digitalen Assets durchaus ernst meint, stellen die Frankfurter auch gleich unter Beweis. Da Publikumsfonds im Moment noch nicht direkt in Token und Coins investieren dürfen, legen die Münchner im Moment einen Spezialfonds auf, der genau das machen wird. So wird eine Basis geschaffen, von der dann auch Dritte profitieren können, indem sie das Setup übernehmen und eigene Spezialfonds auflegen. Bis digitale Assets ihren Weg in die Portfolios von normalen Sondervermögen finden werden, wird es aber noch eine Weile dauern. Denn während die Bank darauf schon vorbereitet ist und morgen anfangen könnte, muss der Gesetzgeber hierzu erst noch das Kapitalanlagegesetzbuch so anpassen, das Bitcoin und Co. auch von Publikumsfonds gekauft werden dürfen.
Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar.