BLOCKCHAIN NEWSROOM - Von einem Krypto-Revoluzzer und einem Krypto-Superhelden
Die vielen seiten der kryptowährungen
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Von einem Krypto-Revoluzzer und einem Krypto-Superhelden
Mit einem Pro-Kopf-Einkommen von rund 4.800 US-Dollar gehört El Salvador zu den ärmeren Ländern der Welt. Kein Wunder, dass viele Einwohner des mittelamerikanischen Landes ihr Glück im Ausland versuchen. Mehr als zwei Millionen Salvadorianer und Salvadorianerinnen leben außerhalb ihrer Landesgrenzen und transferieren jedes Jahr über vier Milliarden US-Dollar in die Heimat. Das ist bei einem Bruttoinlandsprodukt von lediglich 27 Milliarden Dollar ein gewaltiger Batzen. Die enormen Geldtransfers dürften mit ein Grund gewesen sein, dass El Salvador vor kurzem als erstes Land der Welt den Bitcoin offiziell als Währung eingeführt hat. Händler und Dienstleister müssen neben dem Dollar künftig auch die Kryptowährung annehmen. Die treibende Kraft hinter dem Vorstoß ist der charismatische Präsident Nayib Bukele. Der erst 39 Jahre alte Politiker zeigt sich bevorzugt im modischen Hipster-Look, ist in den Sozialen Medien allgegenwärtig und gibt sich auch so gerne unkonventionell. Da scheint ihm die Krypto-Welle gerade recht zu kommen.
Auf dem Weg ins Bitcoin-„Paradies“
Bukele zufolge wird die Einführung des Bitcoins nicht nur ausländische Investoren anlocken, sondern auch den Tourismus und die wirtschaftliche Entwicklung des Landes vorantreiben. Das Dumme ist nur, dass die meisten Haushalte – zumindest die in den ländlichen Regionen – nicht einmal über einen Internetzugang verfügen. Nichtsdestotrotz, einige andere lateinamerikanische Länder wie Paraguay oder Panama verfolgen El Salvadors geplanten Wandel vom Krisenstaat zur Krypto-Nation sehr gespannt. Einen Rückschlag musste Bukele derweil durch die Welthandelsorganisation WTO hinnehmen. Diese hatte er zuvor um Hilfe bei der technischen Implementierung des Bitcoin-Zahlungssystems gebeten. Das Projekt sei aufgrund von Umwelt- und Transparenzmängel nicht zu unterstützen, so die lapidare Antwort der WTO. Sich in Luft auflösen könnte sich das Projekt aber noch aus einem anderen Grund: Der mangelnden Akzeptanz durch die Bevölkerung. Denn als Zahlungsmittel birgt der Bitcoin aufgrund der hohen Volatilität enorme Risiken. Beispiel: Einem im Ausland arbeitendem Salvadorianer, der am Mittag Geld in Form von Bitcoin zu seiner Familie nach Hause schickt, kann es passieren, dass seine Lieben in der Heimat am Nachmittag – in Dollar gerechnet – weit weniger dafür bekommen, als es sich der Absender mit seinem Hartverdienten eigentlich vorgestellt hat. Es wird daher spannend zu beobachten sein, wie Bukeles Traum vom mittelamerikanischen Krypto-Paradies letztendlich endet.
Großzügige Spende
Während El Salvadors Präsident Nayib Bukele noch daran arbeitet, als digitaler Revolutionär in die Geschichte einzugehen, hat Vitalik Buterin den Status eines Superhelden im Krypto-Universum längst erreicht. Immerhin ist der kanadisch-russische Softwareentwickler kein Geringerer als der konzeptionelle Erfinder der Kryptowährung Ether sowie des Blockchain-Netzwerks Ethereum. Dass in dem schmächtigen Mann mit dem „Babyface“ auch eine philanthropische Ader fließt, bewies Buterin im Mai dieses Jahres, als er 50.693.552.078.053 Coins der Kryptowährung Shiba Inu Coin – kurz Shiba oder Shib – im Wert von damals einer Milliarde US-Dollar für die indische Corona-Hilfe stiftete.
Das ist der eine Teil der Geschichte. Der andere ist nicht weniger interessant: Denn Shiba wurde eigentlich als Satirewährung auf Dogecoin entwickelt, wobei Dogecoin wiederum eine Satire-Krypto auf Bitcoin ist. Spaßwährungen halt, die aber plötzlich einen extremen Preisschub erfuhren. Das machte den ohnehin schon reichen Buterin noch reicher. Denn der 27-jährige hat von den Shiba-Entwicklern ungefragt die Hälfte des Angebots aller Shiba-Tokens auf sein Wallet transferiert bekommen. Dort sollen die Coins eigentlich bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag verstauben, um so das Angebot zu verknappen. Dies wird auch als „Verbrennen“ bezeichnet. Allerdings ließ die riesige Spende den Kurs von Shib einbrechen. Böse scheinen die Shib-Entwickler Buterin deshalb nicht zu sein. Er habe ihre Coins ja nicht aus persönlichem Gewinnstreben aussortiert, so die Botschaft auf Twitter. Es sei eine Ehre, dass Buterin unter den unzähligen Kryptos, die er besitzt, ausgerechnet die Shiba-Coins für den guten Zweck ausgewählt hat. Buterin wird auch ohne Shib weiterhin die Schlagzeilen beherrschen. Das liegt an der mit Spannung erwarteten Umstellung des Netzwerks Ethereum 2.0 von Proof-of-Work auf Proof-of-Stake. Dies hat nicht nur Vorteile in Bezug auf die Skalierbarkeit und den Stromverbrauch, auch die Leistung ist enorm: Waren bisher 30 Transaktionen pro Sekunde möglich, ist dann von bis zu 100.000 die Rede.
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