MEINUNG A.D. - Bitcoin & Co: Heute noch CO2-Schleuder, morgen vielleicht Klimaschützer


Bitcoin & Co: Heute noch CO2-Schleuder, morgen vielleicht Klimaschützer

Der Bitcoin und sein großer CO2-Fußabdruck: Das ist ein Thema, an dem in der Krypto-Branche derzeit niemand vorbeikommt. Einen neuen Höhepunkt erreichte der Diskurs, als Elon Musk jüngst den hohen Energieverbrauch des Bitcoin-Mining anprangerte und kundtat, aus diesem Grund bei Tesla keine Bitcoins mehr zu akzeptieren. Prompt brach der Kurs des Platzhirsches unter den Kryptos massiv ein. In einem Punkt hat Musk allerdings recht: Das Schürfen von Bitcoins benötigt Unmengen an Energie. Der starke Preisanstieg des Bitcoin hat das energieschluckende Mining-Problem noch verschärft. Lag der von den Minern verbrauchte Strom vor fünf Jahren laut Forschern der Cambridge University noch unter 10 Terawattstunden pro Jahr, „frisst“ das Bitcoin-Schürfen mittlerweile jährlich rund 115 Terrawattstunden. Das entspricht in etwa dem Stromverbrauch der gesamten Niederlande. Wohl gemerkt, diese Daten beziehen sich nur auf den Bitcoin. Rechnet man alle anderen virtuellen Währungen hinzu, dürfte die Energiemenge mindestens doppelt so hoch sein.

Mining-Verbote in China eröffnen der Krypto-Branche eine Chance

Es ist weniger der große Energiebedarf selbst, der das Problem darstellt, sondern vielmehr der Umstand, dass ein Großteil des Mining durch schmutzigen, also klimaschädlichen Strom gespeist wird. Etwa in China, wo schätzungsweise zwischen 50 und 70 Prozent aller Bitcoins geschürft werden. Der Strom dafür kommt meistens aus Braunkohlekraftwerken. Das ist für die Miner zwar sehr günstig, für das Klima aber extrem schädlich. Die CO2-speiende Krypto-Gewinnung im Reich der Mitte könnte allerdings bald der Vergangenheit angehören. Denn unlängst haben einige für das Schürfen besonders beliebte Hotspots, wie etwa die Provinz Xinjiang, das Krypto-Mining verboten und unter Strafe gestellt. Offensichtlich ist es den Verantwortlichen in den Provinzregierungen zu riskant, dass die breite Bevölkerung aufgrund des hohen Verbrauchs der Miner bei etwaigen Engpässen plötzlich ohne Strom dastehen könnte.

Neue Standorte sind gefragt. Solche sollten am besten drei Voraussetzungen erfüllen: eine moderne Infrastruktur, kühles Klima sowie niedrige Strompreise. Genau diese Mischung könnte die Krypto-Welt grüner und umweltfreundlicher machen. So gibt es in Ländern wie Kanada oder den skandinavischen Staaten reichlich günstigen Ökostrom und die passende klimatische Umgebung gleich mit dazu. Aber was nützt das alles, wenn es der breiten Krypto-Community an der Sensibilität für dieses brisante Thema mangelt. Einer, der sich für einen Bewusstseinswandel stark macht, ist – wie eingangs bereits erwähnt – neuerdings Tesla-Chef Musk. Via Twitter ließ er kürzlich wissen, dass er mit einer ganzen Reihe von US-Firmen aus der Krypto-Branche in Dialog getreten sei, um die Produktion und Nutzung des Bitcoins nachhaltiger zu gestalten. Hochrangige Mining-Firmen haben demnach zugestimmt, den Einsatz erneuerbarer Energien beim Schürfen von Bitcoin zu fördern und zu beschleunigen.

Auf dem Weg zum Öko-Bitcoin?

Ein nachhaltiges Schürfen von Bitcoin & Co. könnte sich für die Miner durchaus auszahlen. So ist es vorstellbar, dass jede Kryptowährung über den für ihre Produktion verwendeten Strom informiert. Entsprechende Pläne haben einige prominente Branchenvertreter wie Argo Blockchain, Blockcap, Core Scientific, Galaxy Digital und Hive Blockchain offensichtlich bereits in der Schublade liegen. Spinnt man den Gedanken weiter, könnte es eines Tages vielleicht einen Bitcoin geben, der zu 100 Prozent aus erneuerbarer Energie gewonnen wird. In Zeiten des Klimawandels wäre einem solchen Öko-Bitcoin eine hohe Aufmerksamkeit gewiss. Möglicherweise entstehen durch das „grüne“ Schürfen auch neue Generationen von Sonne-, Wind- und Wasserkraftwerken. Da das Mining bekanntlich ein Enddatum hat, könnte der daraus nachhaltig erzeugte Strom in Zukunft für andere Zwecke genutzt werden.

Ein schöner Gedanke: Kryptowährungen als Beschleuniger der globalen Energiewende.

Ihr Axel Daffner


Axel Daffner


„A.D.“ steht für zwei Dinge: Zum einen für Axel Daffner als Autor, zum anderen für „außer Dienst“, denn es ist meine private Meinung, die nicht notwendigerweise kongruent sein muss, mit der Meinung, die ich als einer der Geschäftsführer von Pegasos Capital vertrete. Dieser Artikel stellt Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar.


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