BLOCKCHAIN NEWSROOM - E-Euro: (K)eine echte Konkurrenz für Kryptos
wer druckt den digitalen euro?
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Bereits seit Jahren wird das Thema Bargeld in Europa heiß diskutiert. Während die einen stur an altbewährten Gewohnheiten festhalten, versuchen andere bereits erste Schritte in eine bargeldlose Zukunft. So denkt Brüssel laut darüber nach, die schweren und unhandlichen 1- und 2-Cent-Münzen aus dem Portemonnaie zu verbannen.
Eine noch gewichtigere Debatte stellt in diesen Tagen die mögliche Einführung eines E-Euro dar. Noch befindet sich die EZB zwar erst bei den Vorarbeiten für eine digitale Version der Gemeinschaftswährung, doch bereits Mitte des Jahres soll über den Start eines derartigen Projekts entschieden werden. Nachdem rund um den Globus bereits viele Notenbanken an ähnliche Kryptoassets basteln, wäre es allerdings schon eine große Überraschung, wenn nicht auch die Europäische Zentralbank grünes Licht gäbe. Eines stellte EZB-Chefin Christine Lagarde aber bereits klar: „Wir werden immer Banknoten haben.“ Ihrer Ansicht nach sollen beide Formen des Geldes nebeneinander bestehen.
Was die Bürger über den digitalen Euro denken, hat die EZB in einer aktuellen Umfrage eruiert. Dabei kristallisierte sich der Datenschutz als wichtigstes Thema heraus. Für 43 Prozent der Befragten steht die Wahrung der Privatsphäre an erster Stelle, gefolgt von der Sicherheit der Digitalwährung mit 18 Prozent sowie einer europaweiten Reichweite mit elf Prozent.
Technologie „Made in Bayern“
Bei der technischen Ausgestaltung eines digitales Euros sind zwei Varianten vorstellbar: Zum einen eine Konten-Lösung, bei der die digitalen Euros auf Konten der Zentralbank liegen. Zum anderen eine Wallet für das Smartphone, wie man sie auch von anderen Cyber-Devisen kennt. Anders als bei einem privaten Krypto wie dem Bitcoin würden bei dem digitalen Euro aber die Währungsunion und die Zentralbanken des Eurosystems dahinter stehen, um eine Geldwertstabilität zu gewährleisten.
Wer aber druckt letztendlich den Euro? Spezialist in Sachen Währungen, egal ob physisch oder digital, ist das Familienunternehmen Giesecke+Devrient. Bereits 1856 haben die Münchner die erste Banknote für den bayerischen Staat herausgegeben. In den vergangenen mehr als 160 Jahren hat sich die Gesellschaft kontinuierlich weiterentwickelt und arbeitet mittlerweile mit nahezu allen Zentralbanken rund um den Globus zusammen. Aktuell spielt G+D auch eine wichtige Rolle bei einer möglichen Einführung eines E-Euro. Der Traditionskonzern entwickelt bereits die Protokolle und Algorithmen, mit dem die digitale Gemeinschaftswährung hergestellt und in den Geldkreislauf eingebracht werden kann. „Eine wichtige Komponente ist die digitale Geldfabrik“, sagte G+D-Chef Ralf Wintergerst kürzlich in einem Interview. Anders als beim Bitcoin muss der E-Euro dabei zwar nicht geschöpft werden, riesige Datenzentren sind aber laut Wintergerst dennoch von Nöten. Und auch um die Blockchain kommt die Lösung von G+D nicht gänzlich herum. Selbst wenn nicht zwangsläufig jede einzelne Bewegung nachvollzogen werden muss, findet spätestens bei der Überprüfung der digitalen Sicherheitsmerkmale des E-Euro die Blockchain ihren Einsatz.
Letztlich muss die europäische Geldbörse bequem, schnell und sicher sein, um das Vertrauen der breiten Bevölkerung zu gewinnen. Folglich kann es nicht schaden, Gewissenhaftigkeit vor Schnelligkeit zu setzen. Der von der EZB anberaumte Zeitraum von rund fünf Jahren für das E-Euro-Projekt trägt dieser Prämisse durchaus Rechnung.
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Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar.