BLOCKCHAIN NEWSROOM - Startschuss für eine neue Finanzwelt
Die Zukunft der Finanzindustrie?
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Es ist kein Geheimnis, dass Deutschland als Finanzplatz nicht gerade im Ruf steht besonders innovativ zu sein. Dabei wären die hiesigen Finanzmarktakteure durchaus gewillt, neue Technologien wie die Blockchain einzusetzen. Es ist der Staat, der oftmals der Zeit hinterherhinkt. Ein neues Gesetz soll nun den Finanzstandort Deutschland digitaler, moderner und kostengünstiger machen. Die Rede ist vom „Gesetz zur Einführung von elektronischen Wertpapieren“, das am 6. Mai 2021 vom Deutschen Bundestag verabschiedet wurde.
Was steckt dahinter? Ziel des Gesetzes ist es, das Wertpapierrecht zu modernisieren und damit den Finanzplatz Deutschland zu stärken. Insbesondere soll die Rechtslage derart angepasst werden, dass bei Finanzanlagen auf die bislang übliche Papierform verzichtet werden kann. Viele Leser werden sich nun fragen, dass Aktien oder Anleihen auch bisher nicht in papierbasierter Form existieren, sondern als Buchforderungen im Depot der Anleger liegen. Das ist aber nur zum Teil richtig, denn für die Emission, damit ist die Erstausgabe gemeint, ist bislang eine Sammelurkunde sehr wohl notwendig. Durch die neue Regelung wird das deutsche Recht für elektronische Wertpapiere, also Wertpapiere ohne Urkunde geöffnet.
Dass der Gesetzesbeschluss überfällig war, zeigt folgendes Beispiel. Bereits im Jahr 2017 hat die LBBW gemeinsam mit dem Autokonzern Daimler in einem Pilotprojekt ein Schuldscheindarlehen platziert, dass von der Initiierung über die Platzierung, Zuteilung und den Vertragsabschluss bis hin zu den Zins- und Rückzahlungen auf einer Blockchain digital abgebildet wurde. Die Basis dazu bildeten in der Blockchain hinterlegte Smart Contracts – das sind Computerprotokolle, die Verträge in Codes abbilden und automatisch ausführen. Soweit, so gut. Weil aber damals noch die rechtlichen Voraussetzungen fehlten, um Wertpapiere aus dem Korsett der Papierurkunde zu befreien, etwa durch ein elektronisches Register, musste die LBBW alle Vorgänge parallel auf dem traditionellen Weg ausführen.
DeFi: Die Zukunft der Finanzindustrie?
Das Gesetz zur Einführung von elektronischen Wertpapieren mag bestenfalls ein erster Schritt für den elektronischen Wertpapierhandel sein. Denn es befreit Wertpapiere lediglich von der Papierform. Die Verwahrung und der Handel stützen sich aber weiterhin auf zentrale Institutionen wie Banken, die als Vermittler (Custodians) fungieren. Was aber, wenn auch diese Zentralstellen überflüssig gemacht werden könnten? Genau das ist die Vision einer ganz neuen Entwicklung. Die Rede ist vom Begriff der Dezentralized Finance, kurz DeFi.
Im engeren Sinne geht es bei DeFi um die Möglichkeit sich dezentral Geld auszuleihen, ohne dafür einen Intermediär wie zum Beispiel eine Bank zu benötigen. Im weiteren Sinn könnte damit die gesamte Finanzindustrie, angefangen vom Zahlungsverkehr über den Wertpapierhandel bis hin zum Fondsgeschäft dezentral auf die Blockchain gebracht werden. Mehr noch: Selbst Vermögenswerte, die bislang am Kapitalmarkt nicht zugeführt werden konnten wie Kunstwerke oder teure Automobile könnten durch Tokenisierung jedermann zugänglich gemacht werden.
Voraussetzung für eine dezentrale Finanzwirtschaft ist, dass die zugrunde liegende Blockchain-Technologie Smart Contracts unterstützt, wie es bei Ethereum der Fall ist – der aktuell bedeutendsten Blockchain für DeFi. Viele Krypto-Enthusiasten sind davon überzeugt, dass die dezentrale Finanzwirtschaft die Zukunft ist, aber letztlich wird dies vom Mehrwert abhängen, den dezentrale Finanzdienstleistungen generieren (wie etwa geringere Kosten und schnellere Abwicklung), sowie von der generellen Akzeptanz von Krypto-Lösungen in der Bevölkerung.
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Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar.