MEINUNG A.D. - Notenbanken unter Zugzwang


Notenbanken unter Zugzwang

„Und was macht der Dollar?“, lautet ein berühmtes Buch der 1999 verstorbenen Börsenlegende André Kostolany. Nun, was Währungen wie Dollar, Euro oder Yen machen, hängt – wie jeder weiß – ganz entscheidend von der Geldpolitik der jeweiligen Notenbank ab. Sie haben es in der Hand, die eigene Währung für Investoren attraktiver oder unattraktiver zu machen – je nachdem, was gerade gewünscht ist.

Die geldpolitischen Treffen von wichtigen Zentralbanken wie der Fed oder der EZB bekommen daher an den Kapitalmärkten höchste Aufmerksamkeit. Alle spitzen die Ohren und mitunter wird in jedem auch noch so unscheinbaren Nebensatz aus dem Munde von Christine Lagarde (EZB) oder Jerome Powell (Fed) nach versteckten Botschaften gesucht. Ein Meister in dieser Kunst war übrigens Alan Greenspan. Die Pressekonferenzen des ehemaligen Fed-Chefs genossen Kultstatus.

Während die Zentralbanken in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr an Macht hinzugewonnen haben und als die Herrscher des globalen Währungssystems  bezeichnet werden können, fehlt eine solche zentrale Steuerungsinstanz in der digitalen Welt der Kryptowährungen. Und doch gibt es auch im Krypto-Universum ein Machtgebilde, dass den Wert von Bitcoin & Co zum Teil erheblich beeinflusst.  Es sind große Investoren und Influencer wie Elon Musk, die mit kleinen Tweets die Nachfrage nach Kryptos anheizen oder bei skeptischen Aussagen auch dämpfen können.

Das Paradoxe daran ist, dass auch die Notenbanken zu diesen Influencern gehören, wenngleich ungewollt. Denn ihre ultra-lockere Geldpolitik hat ja erst zur Entwicklung und zum Aufstieg von Kryptowährungen beigetragen. Und wie die jüngere Vergangenheit gezeigt hat, bewegen wichtige geldpolitische Entscheidungen auch den Preis der Kryptos.

Um die Oberhoheit über das Geldsystem zu behalten, rüsten viele Zentralbanken nun zum digitalen Gegenschlag. Die EZB plant zum Beispiel den E-Euro. Es gehe um nichts weniger, als „Geld als öffentliches Gut zu erhalten“, so EZB-Direktoriumsmitglied Fabio Panetta. Auch die Schweizer Nationalbank sowie die Zentralbanken Schwedens und Dänemarks basteln bereits am E-Franken bzw. an der E-Krone. Mit Abstand am weitesten fortgeschritten ist man in China. Dort ist der E-Yuan als digitaler Ersatz für Bargeld bereits im Praxiseinsatz.

Big Brother is watching you!

Der E-Yuan zeigt aber auch, welche Gefahren digitales Zentralbankgeld in sich birgt. Denn im Reich der Mitte erfolgt die Datenspeicherung nicht dezentral auf vielen Rechnern sondern zentral auf den Servern der chinesischen Notenbank. Damit ist der Grundgedanke von Kryptowährungen wie Bitcoin aber ins komplette Gegenteil verkehrt. Zum einen, weil sich die digitale Geldmenge von der Zentralbank gezielt steuern lässt und nicht durch den Algorithmus vorgegeben ist. Zum anderen, weil sich Transaktionen, die man bislang anonym mit Bargeld abwickeln konnte, sich auf diese Weise auch bis hin zum kleinsten Einkauf überwachen lassen.

Für autoritäre Regime mag die Möglichkeit, so tiefe Einblicke in die Privatsphäre der Bürger zu erhalten, verlockend sein, jedem anderen sollte davor aber grauen. Ein E-Euro wird sich vermutlich nur dann durchsetzen, wenn zumindest bis zu einem gewissen Grad die Anonymität der Zahlungen gewährleistet ist. Wie sich dieser Punkt gewährleisten lässt, darüber wird im EZB-Tower zu Frankfurt noch gerätselt. Man darf gespannt sein.      


Ihr Axel Daffner


Axel Daffner

Axel Daffner


„A.D.“ steht für zwei Dinge: Zum einen für Axel Daffner als Autor, zum anderen für „außer Dienst“, denn es ist meine private Meinung, die nicht notwendigerweise kongruent sein muss, mit der Meinung, die ich als einer der Geschäftsführer von Pegasos Capital vertrete. Dieser Artikel stellt Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar.


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