MEINUNG A.D. - Von deutschen Häuslebauern und chinesischen Immo-Giganten
München, Freising und Landshut verbindet nicht nur die Isar. Eine weitere Gemeinsamkeit dieser drei bayrischen Städte ist der Immobilienboom. Häuser und Wohnungen sind heiß begehrt, an allen Ecken und Ende wird gebaut. Seit Jahren schießen die Preise die Höhe. Der Bauboom ist kein bayerisches Phänomen. Im notorischen Niedrigzinsumfeld setzen Kapitalanleger im Immobiliensegment auf vergleichsweise hohe und sichere Erträge. Gleichzeitig packen immer mehr Menschen die Gelegenheit beim Schopf und erfüllen sich den Traum vom Eigenheim.
Trotz günstiger Finanzierungsmöglichkeiten müssen gerade private Bauleute angesichts stattlicher Immobilienpreise penibel auf ihre Ausgaben achten. Gerne würden viele von ihnen auch und gerade bei den Nebenkosten den Rotstift ansetzen. Hier kann durchaus ein Zehntel der Erwerbskosten zusammenkommen.
Für eine Tokenisierung prädestiniert
Lief der Kauf von Haus oder Wohnung über einen Makler, ist eine ordentliche Provision fällig. Während diese Kosten optional sind, führt am Staat sowie dem Notarwesen kein Weg vorbei. Der Fiskus schlägt einerseits mit der Grunderwerbssteuer zu. Darüber hinaus möchte der Eintrag in das Grundbach bezahlt sein. An dieser Stelle kommen die Notare ins Spiel. Ohne ihre Beglaubigung und Beurkundung ist kein Eigentumsübergang und -nachweis möglich.
Ohne diese durchaus wichtige Funktion gleich in Abrede stellen zu wollen, würde ich mir zumindest eine verstärkte Diskussion über mögliche kostengünstigere Alternativen wünschen. Die Blockchain-Technologie ist meines Erachtens geradezu dafür prädestiniert, Transaktionen jeglicher Art sicher und transparent abzuwickeln. Immobilien sind hier keine Ausnahme. Oder warum sollten Grundbucheinträge nicht „tokenisiert“ werden? Sie ließen sich ohne Weiteres auf der Blockchain – fälschungssicher und unwiderruflich – dokumentieren.
Der Weg dorthin ist weit. In ihrer Blockchain-Strategie von 2019 ordnet die Bundesregierung Grundbuch sowie Handels- und Personenstandsregister den funktionierenden Verwaltungsprozessen zu. Sie zweifelt daher an der Sinnhaftigkeit einer Überführung dieser Bereiche in die Blockchain. Es dürfte Sie nicht überraschen, dass ich hier eine andere Meinung vertrete. Zumal Länder wie Schweden oder Georgien erste Schritte in diese Richtung unternommen haben.
Ein wankender Immobilien-Kollos
Dort befassen wir uns auch mit den neuen digitalen Finanzierungsmöglichkeiten im Immobiliensektor, Stichwort „Crowdfunding“. Ich möchte die These in den Raum stellen, dass sich das Risiko für Schieflagen in diesem Markt durch eine verstärkte Nutzung solcher Verfahren reduzieren ließe. Lassen Sie uns einen Blick auf den chinesischen Immobilienriese Evergrande richten. Der Mega-Konzern hat Schulden von mehr als 300 Milliarden US-Dollar angehäuft.
Nachdem er bei Banken, Anleihegläubigern sowie Kunden und Mitarbeitern in Verzug geraten ist, wackelt der zweitgrößte Immobilienentwickler im Reich der Mitte gewaltig. Laut einer Meldung von Thomson Reuters stand Evergrande 2020 bei 128 Banken und mehr als 120 weiteren Gesellschaften, die nicht im Finanzsektor angesiedelt sind, in der Kreide. Angenommen, der Kollos hätte seine Projekte mittels Crowd und Blockchain finanziert. Dann würde neben einer noch deutlich breiteren Fremdkapital-Streuung auch mehr Transparenz und letztlich Sicherheit für die Geldgeber bestehen. Soweit die Theorie. In der Praxis müssen die Märkte weiter gebannt nach Fernost blicken. Umso mehr hoffe ich, dass sowohl heimische Häuslebauer als auch internationale Immobilienfinanzierer baldmöglichst von den Vorteilen der Digitalisierung im Allgemeinen und der Blockchain-Technologie im Speziellen profitieren.
Ihr Axel Daffner
Axel Daffner
„A.D.“ steht für zwei Dinge: Zum einen für Axel Daffner als Autor, zum anderen für „außer Dienst“, denn es ist meine private Meinung, die nicht notwendigerweise kongruent sein muss, mit der Meinung, die ich als einer der Geschäftsführer von Pegasos Capital vertrete. Dieser Artikel stellt Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar.