AKTIEN NEWSROOM - Redfin: Immobiliengeschäfte als digitales Shopping-Erlebnis


Redfin


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Ein Unternehmen, das am US-amerikanischen Wohnungsimmobilienmarkt seit geraumer Zeit für Schlagzeilen sorgt, ist die Technologiefirma Redfin. Manche sehen in der Gesellschaft schon ein neues Amazon.com für Real Estate. Und das nicht nur, weil beide Unternehmen ihren Firmensitz in Seattle haben. Redfin, so die Einschätzung von Experten, könnte es mit seiner Internetplattform und seinen digitalen Angeboten schaffen, die Art und Weise zu verändern, wie Menschen Immobiliengeschäfte tätigen. Zwar ist eine Tokenisierung von Immobilienbesitz und der Kauf bzw. Verkauf von Wohnungen, Häusern oder Grundstücken über die Blockchain bei Redfin (noch) kein Thema. Gleichwohl bescheinigen Branchenkenner dem Unternehmen einen hohen disruptiven Charakter.

Die Zukunft des Immobilienmarktes ist digital

Was macht Redfin so besonders? Um es salopp auszudrücken: Bei Redfin wird aus einem aufwendigen und oft mühevollen Geschäft ein Online-Shopping-Erlebnis, das zudem den Geldbeutel schont. Wer nach einem Eigenheim sucht, kann über Redfin bis zur Hälfte der sonst in den USA üblichen Maklerprovisionen sparen. Verkäufer wiederum haben die Chance, in schnellerer Zeit mehr Geld für ihre Immobilien zu erhalten. Nach Angaben der Gesellschaft wurden seit der Firmengründung im Jahr 2006 rund 310.000 Transaktionen im Gesamtvolumen von 152 Milliarden US-Dollar abgewickelt. Dabei sollen die Kunden insgesamt fast eine Milliarde US-Dollar an Provisionen eingespart haben (Stand: Ende 2020).

Redfin bietet über „Redfin Brokerage“ nicht nur Makler-Dienstleistungen an, sondern übernimmt auf Wunsch gegen eine etwas höhere Provision auch zusätzliche Services wie die Reinigung, Anstrich und Präsentation von Verkaufsobjekten („Redfin Concierge“). Vor zwei Jahren ist das Unternehmen mit „Redfin Now“ auch ins Direktgeschäft eingestiegen. Das funktioniert so: Ein Verkäufer holt über die Website ein Angebot für seine Immobilie ein. Redfin nimmt zunächst eine Online-Bewertung vor und nennt dabei einen Sofortpreis. Ist der Kunde damit einverstanden, wird das Objekt persönlich begutachtet und der Preis verbindlich fixiert. Der Kunde entscheidet dann, ob er das Sofortangebot annimmt oder nicht. Wenn ja, wird die Transaktion in wenigen Tagen abgeschlossen. Der Verkäufer erhält sein Geld und Redfin stellt das Objekt über seine Plattform auf eigene Rechnung zum Verkauf. Billig ist ein solcher Sofortverkauf allerdings nicht. Redfin stellt dafür eine Provision zwischen sechs und zwölf Prozent des Verkaufspreises in Rechnung.

Langer Atem erforderlich

Redfin verfügt zwar über ein vielversprechendes, onlinebasiertes Geschäftsmodell. Aber: Im Gegensatz zu Internetriesen wie Amazon.com ist der E-Immobilien-Makler noch ein Zwerg. Gegründet vor 15 Jahren, erfolgte der Börsengang an die Nasdaq im Juli 2017 zu einem Emissionspreis von 15 US-Dollar. Heute ist die Aktie mit rund 51 US-Dollar zwar mehr als dreimal so viel wert. Jedoch nimmt sich die Marktkapitalisierung mit 4,9 Milliarden US-Dollar noch sehr bescheiden aus. Mit ein Grund dafür: Die Gesellschaft arbeitet trotz rasant steigender Umsätze noch nicht profitabel. Im zurückliegenden Quartal belief sich der Nettoverlust auf knapp 28 Millionen US-Dollar. Die Ungewissheit darüber, wann die Serie an roten Zahlen endet, hat die Aktie in diesem Jahr stark unter Druck gesetzt. Es gehört also schon eine gewisse Risikobereitschaft dazu, in den Titel zu investieren – zumindest unter dem Aspekt des schnellen Geldes. Redfin dürfte vielmehr etwas für längere Anlagehorizonte von drei Jahren aufwärts sein. Auch bei Amazon.com hatten Anleger in den Anfangsjahren mitunter schwierige Phasen zu überstehen, bevor die Post richtig abging.

(c) Adobe Stock

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Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar.

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