Meinung A.D. – Transformer sind Performer
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Meinung A.D.: Transformer sind Performer
Vor 20 Jahren hätten die meisten Anleger wohl kaum geglaubt, dass Nokia und Blackberry, die damals unangefochtenen Giganten der Mobilfunkbranche, eines Tages von einem Computerkonzern namens Apple überholt und fast vollständig verdrängt werden würden. Als ich mich das erste Mal ernsthaft mit Investments in Technologiewerte bzw. mit Technologiefonds beschäftigt habe, waren diese beiden Marken Synonyme für Mobilität und Innovation. Heute erscheinen sie als Relikte einer vergangenen Ära, Opfer einer neuen Art von Disruption, die wir damals noch nicht in vollem Umfang verstanden hatten.
In den frühen 2000ern war Nokia das Unternehmen, das Mobiltelefone massentauglich machte. Ihre Geräte waren robust, zuverlässig und in jeder Hosentasche zu finden. Gleichzeitig erlebte Blackberry einen Aufstieg zum Statussymbol in der Geschäftswelt. Wer im Business etwas auf sich hielt, besaß einen Blackberry mit seiner unverwechselbaren Tastatur und dem legendären Push-Mail-Service. Apple hingegen? Ein Nischenanbieter im PC-Markt, bekannt für teure, aber designtechnisch ausgefeilte Computer.
Doch dann geschah das Unerwartete: Apple brachte 2007 das iPhone auf den Markt. Ein Gerät, das nicht nur ein Telefon war, sondern eine Plattform, eine Revolution in der Art und Weise, wie wir kommunizieren, arbeiten und konsumieren. Anfangs wurde das iPhone von vielen – mich eingeschlossen – als Spielerei für Technikenthusiasten belächelt. Wer hätte ahnen können, dass dieses kleine Stück Technik den gesamten Mobilfunkmarkt umkrempeln würde? Steve Ballmer, einer der Microsoft Urgesteine und Einkommensmilliardär, wird immer zitiert mit: „The iPhone will never succeed – it’s too expensive and has too little functions!“
Was danach folgte, war ein Paradebeispiel für kreative Zerstörung. Nokia und Blackberry, einst sicher auf ihren Thronen, reagierten zu spät auf die neue Konkurrenz. Ihre Innovationskraft schien in den Jahren des Erfolgs erlahmt zu sein. Sie unterschätzten das Potenzial der neuen Technologien und die Geschwindigkeit, mit der sich der Markt veränderte. Statt zu handeln, verharrten sie in alten Denkmustern und bewährten Geschäftsmodellen. Während Apple das Smartphone als Allzweckgerät etablierte, hielten Nokia und Blackberry an traditionellen Konzepten fest. Der Rest ist Geschichte.
Diese Dynamik der Disruption lässt sich jedoch nicht nur im Endkundenbereich beobachten. Ein weiteres Beispiel, das vielleicht weniger im Rampenlicht steht, aber ebenso bedeutend ist, ist die Revolution in der Halbleiterindustrie, angeführt von ASML. Das niederländische Unternehmen hat es geschafft, die gesamte Branche der Lithografie, dem Herzstück der Chipfertigung, zu dominieren und neu zu definieren. Früher waren Unternehmen wie Kodak Vorreiter in der Lithografie, doch wie bei Nokia und Blackberry führte das Festhalten an alten Technologien und die Unterschätzung zukünftiger Entwicklungen zum Niedergang.
ASML hingegen setzte frühzeitig auf die Extreme Ultraviolet (EUV)-Technologie, eine riskante Wette, die sich als Goldgrube entpuppte. Diese Technologie ermöglicht es, Chips mit noch feineren Strukturen zu versehen und somit die Leistung und Effizienz von Prozessoren dramatisch zu steigern. Während Kodak sich auf seine traditionellen Stärken konzentrierte und zögerte, in die ungewisse Zukunft der EUV-Technologie zu investieren, setzte ASML alles auf eine Karte – und gewann. Heute ist ASML der unangefochtene Marktführer in der Lithografie, und ihre Maschinen sind unverzichtbar für die fortschrittlichsten Chipfabriken der Welt.
Was mich an ASML besonders fasziniert, ist die Entschlossenheit und der Mut, den es brauchte, um diesen technologischen Durchbruch zu erzielen. Wie auch Apple haben sie bewiesen, dass wahre Innovation nicht aus der Optimierung bestehender Produkte entsteht, sondern aus dem Mut, radikal neue Wege zu gehen. Sie haben nicht nur die technologische Führung übernommen, sondern auch gezeigt, wie schnell sich das Blatt in einer Branche wenden kann, wenn man bereit ist, in die Zukunft zu investieren und Risiken einzugehen.
Heute blicke ich auf diese Ereignisse mit gemischten Gefühlen zurück. Einerseits war es faszinierend, hautnah zu erleben, wie sich ganze Industrien verändern können, wenn disruptive Technologien auf einen etablierten Markt treffen. Für einen Fondsmanager wie mich war dies eine Zeit großer Chancen, aber auch großer Risiken. Diejenigen, die früh auf echte Transformer wie auf Apple und ASML gesetzt haben, konnten enorme Gewinne erzielen. Doch wer zu lange an den alten Platzhirschen festhielt, sah sich mit schmerzhaften Verlusten konfrontiert.
Andererseits zeigt mir die Geschichte von Nokia, Blackberry und Kodak, wie wichtig es ist, ständig am Puls der Zeit zu bleiben, offen für neue Entwicklungen zu sein und bereit, alte Überzeugungen über Bord zu werfen. Technologie ist ein Feld, das sich rasant wandelt – was heute unentbehrlich erscheint, kann morgen schon überholt sein.
Ich frage mich oft, welche aktuellen Giganten das Schicksal von Nokia und Blackberry teilen werden. Amazon, Google, vielleicht sogar Apple selbst? Nichts ist sicher in einer Welt, in der technologische Innovation die treibende Kraft ist. Aber eines ist klar: Die Disruption macht auch vor den größten Playern in der Branche nicht halt – ein Transformer darf sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen. Und genau das macht die Technologiewelt so unglaublich spannend – und für jemanden wie mich, der seit 25 Jahren in diesem Feld tätig ist, so unvorhersehbar und faszinierend. Deshalb wird uns beim ART Transformer Equities die Arbeit bzw. die Suche nach Transformern nie ausgehen.
Axel Daffner
„A.D.“ steht für zwei Dinge: Zum einen für Axel Daffner als Autor, zum anderen für „außer Dienst“, denn es ist meine private Meinung, die nicht notwendigerweise kongruent sein muss, mit der Meinung, die ich als einer der Geschäftsführer von Pegasos Capital vertrete. Dieser Artikel stellt Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar.